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Geschichte

Von der Gründung bis zur Übernahme der Klosterbibliotheken

Die Thurgauische Cantons-Bibliothek wurde am 29. Oktober 1805 als Verwaltungsbibliothek des 1803 gegründeten Kantons Thurgau errichtet. Der Bestand umfasste zunächst Gesetzesbücher als Handbibliothek für Ratsmitglieder und die obersten Gerichtsstellen. Er wurde in einem Schrank des ersten Kantonsbibliothekars, Regierungsrat Johannes Morell, aufbewahrt. 1846 erfolgte der Umzug ins Redinghaus an der Zürcherstrasse 180 in Frauenfeld, seit 1807 Sitz der kantonalen Regierung.
Als Folge der Aufhebung der Thurgauer Klöster im Jahr 1848 gelangten 1852 die Bestände der Klosterbibliotheken Fischingen und Ittingen nach Frauenfeld, wo sie auf dem Dachboden der Kantonsschule, dem heutigen Bibliotheksgebäude, eingelagert wurden. Die Werke wurden in den Bestand der Kantonsbibliothek integriert, welcher sich bisher vorwiegend aus rechts- und staatswissenschaftlichen Werken zusammengesetzt hatte. 1858 erschien der erste gedruckte Katalog mit einem Umfang von etwa 5000 Bänden.

Ankauf der Stadtbibliothek

Der nächste handschriftliche Katalog, 1862 von Kantonsbibliothekar Johann Adam Pupikofer verfasst, enthielt bereits 10'000 Werke. Im gleichen Jahr wurde der Bestand der Klosterbibliothek Kreuzlingen integriert. 1864 erfolgte der Ankauf der Stadtbibliothek Frauenfeld, welche in den 1830er Jahren aus einer städtischen Lesegesellschaft hervorgegangen war. Durch die Übernahme veränderten sich Bestand und Publikum der Kantonsbibliothek, die fortan auch die Funktion einer öffentlichen Bibliothek einnahm. Die Öffnung gegenüber einem breiteren Publikum wurde seitens der Bibliotheksleitung, welche ihre Aufgabe primär im konservativen Bildungsauftrag und der Förderung des wissenschaftlichen Lebens im Kanton sah, zunächst kritisch beobachtet.
1868 zog die Kantonsbibliothek in einen für sie konzipierten Raum im neu erbauten Regierungsgebäude an der Zürcherstrasse 188 in Frauenfeld. Dieser bot Platz für 50'000 Bände. Ausserdem standen der Bibliothek ein Schalterraum und ein Lesesaal zur Verfügung. 1869 wurde die Bibliothek des Klosters St. Katharinental übernommen.
Johannes Meyer, Kantonsbibliothekar seit 1880, begründete mit den Thurgoviana eine bis heute ergänzte Abteilung, die alle den Thurgau betreffende Literatur unter einer Signatur versammelte. Meyer war es auch, der 1885/86 einen neuen Gesamtkatalog verfasste, welcher den inzwischen auf etwa 30'000 Bände angewachsenen Bestand in 34 thematische Abteilungen gliederte.

Umzug ins Gebäude an der Promenade

1911 bewilligte das Thurgauer Volk den Bau einer neuen Kantonsschule. Zwei Jahre später zogen die Kantonsbibliothek und das Thurgauer Obergericht in das frei gewordene Gebäude an der Promenade.
Kantonsbibliothekar Friedrich Schaltegger, Leiter der Bibliothek seit 1912, stellte einen ersten Inkunabelkatalog zusammen, welcher die rund 800 Wiegendrucke im Besitz der Kantonsbibliothek verzeichnete.
In den 1930er Jahren kam es zu einer bedeutsamen Differenzierung der Aufgaben, die bis anhin vom Kantonsbibliothekaren bewältigt worden waren: 1938 wurde mit dem Archivneubau eine hauptamtliche Archivarenstelle geschaffen und mit dem ersten Staatsarchivar Bruno Meyer besetzt. Auch die Denkmalpflege, unter der Leitung von Albert Knoepfli, wurde als eigenständiges Amt eingerichtet.
Kantonsbibliothekar Egon Isler, im Amt seit 1933, revidierte in seiner Amtszeit die vorhandenen Kataloge. Er erstellte den ersten, drei Foliobände umfassenden Sachkatalog auf Basis der Dezimalklassifikation. 1954 ersetzte er ihn durch eine Zettelkatalog, welche die Eingliederung der Neuzugänge erleichterte.
1959 wurde eine kantonale Kommission für Schulbibliotheken unter dem Präsidium des Kantonsbibliothekars eingerichtet.

Ende der reinen Magazinbibliothek

Seit der Übernahme der Stadtbibliothek 1864 erfüllte die Kantonsbibliothek Thurgau eine breite Palette verschiedener Funktionen: sie war sowohl Verwaltungs-, als auch Schulbibliothek, die wissenschaftliche Bibliothek des gesamten Kantons und zugleich Frauenfelder Stadtbibliothek. Diesen Aufgaben konnte der traditionelle Schalterbetrieb mit Magazinbestellungen je länger, desto weniger gerecht werden. Unter Walter Schmid, dem neuen Kantonsbibliothekar ab 1972, wurde ein Regal mit zunächst 200 bis 250 Neuanschaffungen pro Jahr als Freihandbibliothek konzipiert. Dieses markierte die eigentliche Geburtsstunde der Freihandbibliothek, die den Benutzern den Umweg über Kataloge und Magazin abnahm und zum freien Schmökern und Blättern einlud. In Folge kam es 1983 zur Aufteilung der Kantonsbibliothek in zwei Abteilungen: eine Studienbibliothek als reine Magazinbibliothek und eine Freihandbibliothek, die vor allem als Volks- und Jugendbibliothek dienen sollte. Die beiden Abteilungen wurden 2005 anlässlich der Gesamtrenovation des Gebäudes an der Promenade organisatorisch und personell wieder zusammengeführt.

Bibliotheksleitung

1805–1835 Johannes Morell
1835–1857 Andreas Stähele
1858–1862 Johannes Herzog
1862–1879 Johann Adam Pupikofer
1880–1912 Johannes Meyer
1912–1925 Friedrich Schaltegger
1925–1926 Walter Gonzenbach
1926–1933 Julius Rickenmann
1933–1972 Egon Isler
1972–1993 Walter Schmid
1993–2009 Heinz Bothien
2009–2012 Monika Mosberger
seit 2012     Bernhard Bertelmann
 

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